Größte Pleiten · Nr. 21

Signa Holding (2023/24)

Das Imperium von René Benko (Karstadt/Kaufhof, Chrysler Building-Anteil, Elbtower, KaDeWe) kollabierte in Kaskaden — Einzelinsolvenzen von Signa Prime, Signa Development, Sports & Health, Retail. Für Deutschland besonders bitter: 15.000 Beschäftigte im Warenhaus.

Vom aggressiven Wachstum zum Milliarden-Kollaps der Signa-Gruppe

Der Zusammenbruch der von René Benko geführten Signa Holding markiert die größte Insolvenz der österreichischen Wirtschaftsgeschichte und erschütterte den deutschen Einzelhandel massiv. Nach Jahren des billigen Baugeld-Booms führten die Zinswende ab 2022 und massiv gestiegene Baukosten dazu, dass das komplexe Firmengeflecht aus über 1.000 Einzelgesellschaften ab November 2023 zahlungsunfähig wurde. Betroffen waren prestigeträchtige Großprojekte wie der Elbtower in Hamburg und die gesamte Galeria-Karstadt-Kaufhof-Gruppe.

Kettenreaktion zwischen Immobilienbewertungen und Liquiditätsengpässen

Die Insolvenzkaskade begann am 29. November 2023 mit dem Antrag der Signa Holding beim Handelsgericht Wien, gefolgt von den Kernsparten Signa Prime Selection und Signa Development kurz vor dem Jahreswechsel. Interne Neubewertungen der Immobilienportfolios reichten nicht mehr aus, um die hohen Kreditlasten bei Banken wie der Bank Austria oder der genossenschaftlichen Raiffeisen-Gruppe zu decken. Der Sanierungsverwalter Christof Stapf musste feststellen, dass ein dringend benötigter Notkredit über 600 Millionen Euro durch bestehende Investoren nicht mehr zustande kam.

Zerschlagung der Luxus-Sparte und das Schicksal der Warenhäuser

Die Zerschlagung des Konzerns betraf auch die KaDeWe-Group in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München, wobei die thailändische Central Group schließlich die Mehrheit an diesen Luxusimmobilien übernahm. Für die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof bedeutete der Signa-Kollaps die dritte Insolvenz innerhalb weniger Jahre, was den Verlust tausender Arbeitsplätze und die Schließung zahlreicher Filialen in deutschen Innenstädten zur Folge hatte. Die Sporttochter Signa Sports United (SSU) musste bereits im Oktober 2023 nach dem Entzug einer Finanzierungszusage über 150 Millionen Euro Insolvenz anmelden.

Der Elbtower als Bauruine und das Erbe von René Benko

In Hamburg hinterließ das Signa-Debakel mit dem Elbtower ein unvollendetes Skelett an den Elbbrücken, dessen Weiterbau nach dem Baustopp im Oktober 2023 ungewiss blieb. Während Insolvenzverwalter Torsten Martini für die deutschen Gesellschaften die Verwertung der Assets forcierte, rückte die Intransparenz der Holding-Strukturen und die Entnahme hoher Dividenden in den Vorjahren in den Fokus der Ermittler. Der Fall zeigt exemplarisch die Risiken einer durch billiges Fremdkapital gehebelten Expansionsstrategie im Hochpreissegment.