Die deutsche Solarindustrie brach unter chinesischer Konkurrenz zusammen. Q-Cells war zeitweise weltweit größter Zellenhersteller; Solar Millennium hatte sich mit US-Wüstenprojekten verhoben.
Der Fall des Bitterfelder Weltmarktführers Q-Cells
Q-Cells galt lange Zeit als das strahlende Aushängeschild des ostdeutschen 'Solar Valley' in Thalheim bei Bitterfeld-Wolfen und stieg bis 2007 zum weltweit größten Hersteller von Solarzellen auf. Der massive Preisverfall durch staatlich subventionierte Konkurrenz aus China und technologische Umbrüche führten jedoch zu einem rasanten Wertverlust, der im April 2012 schließlich im Insolvenzantrag mündete. Insolvenzverwalter Henning Schorisch musste in der Folge die Sanierung eines Unternehmens forcieren, das noch kurz zuvor Milliardenumsätze generiert hatte.
Größenwahn in der Wüste: Das Scheitern von Solar Millennium
Zeitgleich kollabierte in Erlangen das Projektierungsunternehmen Solar Millennium, das sich auf solarthermische Kraftwerke spezialisiert hatte und mit gigantischen Vorhaben wie dem 'Blythe'-Projekt in der kalifornischen Wüste Schlagzeilen machte. Die Insolvenz im Dezember 2011 traf rund 30.000 Privatanleger massiv, die über Anleihen und Fonds hohe Summen in die risikoreiche Technologie investiert hatten. Fehlplanungen bei den US-Großprojekten und die mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenüber der günstiger werdenden Photovoltaik besiegelten das Ende des Unternehmens.
Zerschlagung und Übernahme durch Hanwha
Im August 2012 gelang für den Standort Thalheim eine Rettung in letzter Sekunde, als der südkoreanische Mischkonzern Hanwha den Kern von Q-Cells übernahm und als Hanwha Q CELLS fortführte. Von den ursprünglich rund 2.200 Arbeitsplätzen am Standort Bitterfeld konnten durch diesen Deal etwa 1.250 Stellen gesichert werden, während die Forschungsabteilung erhalten blieb. Andere Firmenteile und internationale Beteiligungen wurden im Rahmen des Insolvenzverfahrens separat veräußert oder liquidiert.
Juristische Aufarbeitung und Folgen für die Anleger
Während Q-Cells in einer neuen Struktur überlebte, blieb bei Solar Millennium nur die Abwicklung durch Insolvenzverwalter Volker Böhm, die sich über Jahre hinzog. Die Gläubiger mussten herbe Verluste hinnehmen, da die Verwertung der komplexen Auslandsprojekte und Patente nur einen Bruchteil der ursprünglichen Investitionssummen einbrachte. Dieser Doppelschlag markierte historisch das Ende der deutschen Dominanz in der globalen Solarwertschöpfungskette.