Größte Pleiten · Nr. 46

Steinhoff (siehe auch Skandale)

Bilanzskandal führte in Deutschland u. a. zur Krise bei Poco und Beteiligungen — kein klassisches deutsches Insolvenzverfahren, aber Vermögensvernichtung im deutschen Möbelmarkt.

Bilanzfälschung und der tiefe Fall aus Westerstede

Der tiefe Fall der Steinhoff International Holdings nahm im Dezember 2017 seinen Anfang, als Unregelmäßigkeiten in der Bilanz den Rücktritt von CEO Markus Jooste erzwangen. Was als globales Möbelimperium mit Wurzeln im niedersächsischen Westerstede galt, entpuppte sich als Kartenhaus aus überbewerteten Vermögenswerten und fiktiven Transaktionen. Innerhalb weniger Tage vernichtete der Skandal rund 12 Milliarden Euro an Börsenwert und erschütterte die deutschen Finanzmärkte nachhaltig.

Liquidation nach südafrikanischem und niederländischem Recht

Im Gegensatz zu klassischen deutschen Verfahren wurde die Abwicklung primär über eine niederländische Holding und südafrikanische Restrukturierungspläne gesteuert. Das im Jahr 2021 genehmigte Vergleichsverfahren (SOP) zielte darauf ab, die massiven Schuldenberge abzutragen und hunderte Schadensersatzklagen von Anlegern zu bündeln. Im Jahr 2023 folgte schließlich die endgültige Auflösung der Holding, was den Totalverlust für die verbliebenen Aktionäre bedeutete.

Die Abspaltung von Poco und das Ende der deutschen Dominanz

Eines der prominentesten Opfer der Krise war der Möbeldiscounter Poco, der zu diesem Zeitpunkt etwa 120 Standorte in Deutschland betrieb. Um Liquidität zu generieren und Rechtsstreitigkeiten mit dem ehemaligen Partner Andreas Seifert beizulegen, verlor Steinhoff im Jahr 2018 die Kontrolle über die Kette. Die Übernahme der Anteile durch die österreichische XXXLutz-Gruppe markierte den Rückzug von Steinhoff als maßgebliche Kraft im deutschen Einzelhandel.

Zerschlagung und Verkauf der europäischen Beteiligungen

Zur Befriedigung der Gläubiger wurden systematisch Kernbeteiligungen wie die europäische Pepco Group oder der französische Möbelhändler Conforama veräußert. Während die operativen Einheiten oft unter neuen Eigentümern fortbestehen, verlor das ursprüngliche Firmengeflecht seine Existenzgrundlage. In Deutschland betraf dieser Prozess indirekt tausende Arbeitsplätze in der Verwaltung und Logistik, die über Jahre hinweg unter der massiven finanziellen Instabilität litten.