Größte Pleiten · Nr. 24

Varta (2024)

Der einst gehypte Small-Cap-Star konnte weder mit Aktionären noch mit Gläubigern eine Lösung finden — Sanierung über das StaRUG-Verfahren mit fast vollständiger Verwässerung der Altaktionäre. Porsche steigt als neuer Ankerinvestor ein.

Vom Apple-Zulieferer in die StaRUG-Sackgasse

Nach dem triumphalen Börsengang 2017 und dem Boom durch Mikrobatterien für kabellose Kopfhörer wie die Apple AirPods geriet der Traditionskonzern aus Ellwangen ab 2022 massiv unter Druck. Billigere Konkurrenz aus Asien, eine schwächelnde Nachfrage im Varta-Segment 'Lithium-Ion Solutions' und stark gestiegene Energiekosten brachten das hochverschuldete Unternehmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Ein Cyberangriff im Februar 2024 legte zudem die Produktion über Wochen lahm und verhinderte die rechtzeitige Vorlage des Konzernabschlusses.

Der radikale Schuldenschnitt durch Michael Tojner und Porsche

Im Sommer 2024 flüchtete Varta unter das Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG), um eine ungeordnete Insolvenz abzuwenden. Das Verfahren sieht vor, dass das Grundkapital auf null herabgesetzt wird, wodurch die bisherigen Aktionäre ohne Entschädigung aus dem Unternehmen ausscheiden und die Börsennotierung endet. Als neue Geldgeber fungieren der bisherige Mehrheitseigentümer Michael Tojner und die Porsche AG, die gemeinsam frisches Kapital in Höhe von 60 Millionen Euro einbringen.

Fokus auf V4Drive und strategische Arbeitsplatzsicherung

Ein Kernaspekt der Sanierung ist der Einstieg von Porsche bei der Tochtergesellschaft V4Drive SE am Standort Nördlingen, die auf großformatige Lithium-Ionen-Rundzellen für Elektro-Sportwagen spezialisiert ist. Trotz der massiven Entschuldung von rund 485 Millionen Euro auf 200 Millionen Euro kündigte der Vorstand einen Abbau von mehreren hundert Stellen an, um die verbliebenen rund 4.000 Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Die Standorte Ellwangen, Nördlingen und Dischingen bleiben im Kern erhalten, müssen jedoch deutliche Effizienzsteigerungen umsetzen.

Gläubigerverzicht und die Rolle von Restrukturierungsrichter und Sanierer

Unter der Leitung von Sanierungsvorstand Michael Giesselbach und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Tojner wurde der radikale Plan beim zuständigen Amtsgericht Stuttgart eingereicht. Die Banken und Schuldscheingläubiger mussten einem massiven Forderungsverzicht zustimmen, um den Fortbestand des operativen Geschäfts gegenüber einer Zerschlagung vorzuziehen. Das StaRUG-Verfahren ermöglichte diesen Schritt gegen den Widerstand von Minderheitsaktionären, die nun den Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals verkraften müssen.