Krankenhaus-Krise: mehrere Klinikgruppen (u. a. DRK Sachsen 2023, Ameos-Standorte) melden Insolvenzen an — strukturelle Krise des Sektors.
Finanzielle Schieflage im Berliner Krankenhauswesen
Der kommunale Klinikriese Vivantes sowie die börsennotierte Rhön-Klinikum AG reagierten ab 2020 auf eine beispiellose Erlösstagnation bei gleichzeitig massiv steigenden Betriebskosten. In Berlin drohte Vivantes ein Defizit im dreistelligen Millionenbereich, da die Investitionsmittel des Senats nicht mehr ausreichten, um die Modernisierung der Standorte wie das Klinikum Neukölln oder das Auguste-Viktoria-Klinikum zu decken. Die Rhön-Klinikum AG, die seit der Übernahme durch Asklepios im Jahr 2020 restrukturiert wurde, sah sich zudem mit der Notwendigkeit konfrontiert, unrentable Versorgungsleistungen zur Sicherung der Liquidität abzubauen.
Chronologie der strategischen Portfolio-Bereinigungen
Im Jahr 2023 verschärfte sich die Lage, als Vivantes umfassende Sparpakete schnürte und Tochtergesellschaften zur Disposition stellte, während Rhön-Klinikum bereits 2020 durch den Mehrheitserwerb der Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA in einen neuen Konzernverbund integriert wurde. Diese Neuausrichtung führte zur Schließung oder Privatisierung von Teilleistungen, um die drohende Zahlungsunfähigkeit einzelner Sparten abzuwenden. Die strukturellen Defizite in der stationären Versorgung zwangen beide Konzerne dazu, das Outsourcing von Serviceleistungen wie Reinigung und Logistik voranzutreiben.
Gefährdung von Arbeitsplätzen und Standortgarantien
Von den Konsolidierungsmaßnahmen sind bei Vivantes potenziell mehrere tausend Stellen in den Servicebereichen betroffen, wo über Tarifverträge und Ausgliederungen gestritten wird. Bei Rhön-Klinikum führte die Integration in den Asklepios-Konzern zu Synergieeffekten, die insbesondere die Verwaltung an Standorten wie Bad Neustadt an der Saale oder Frankfurt (Oder) unter Druck setzten. In Berlin mussten zudem hunderte Betten temporär abgemeldet werden, da das vorhandene Personal die gesetzlichen Pflegeuntergrenzen nicht mehr flächendeckend erfüllen konnte.
Operationale Neuausrichtung unter Asklepios-Kontrolle
Nach der Übernahme von Rhön durch Asklepios im Jahr 2020 folgte eine Zerschlagung alter Konzernstrukturen, um Doppelfunktionen in der spezialisierten Hochleistungsmedizin zu eliminieren. Während Vivantes als kommunales Unternehmen eine Zerschlagung durch das Land Berlin verhindern will, führt der Wegfall von Abteilungen wie der Geburtshilfe an einzelnen Standorten zu einer schleichenden Reduktion des Versorgungsangebots. Die finanzielle Konsolidierung bleibt ein Wettlauf gegen die Insolvenzantragspflicht, da die Refinanzierung der Tarifsteigerungen durch die Krankenkassen weiterhin unzureichend bleibt.