Größte Pleiten · Nr. 49

Windreich AG (Willi Balz)

Windkraft-Projektierer aus Wolfschlugen; medial durch den Prozess gegen den Gründer bekannt geworden.

Pioniergeist aus Wolfschlugen und der Offshore-Boom

Die Windreich AG, geführt vom charismatischen Firmengründer Willi Balz, galt lange Zeit als das Aushängeschild der deutschen Offshore-Windenergiebranche am Standort Wolfschlugen. Mit ehrgeizigen Projekten in der Nordsee, insbesondere dem Leuchtturmprojekt Global Tech I, wollte das Unternehmen die Energiewende maßgeblich mitgestalten. Doch hinter den Kulissen kämpfte das Management bereits früh mit der enormen Kapitalintensität und den technischen Unwägbarkeiten der Hochsee-Windparks.

Der finanzielle Zusammenbruch im September 2013

Im Jahr 2013 spitzte sich die Liquiditätskrise dramatisch zu, woraufhin die Windreich AG am 5. September beim Amtsgericht Esslingen Insolvenz anmelden musste. Vorausgegangen waren monatelange Spekulationen über die Werthaltigkeit der Bilanzposten und Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung. Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs waren rund 130 Mitarbeiter von der drohenden Zerschlagung des Windkraft-Projektierers betroffen.

Sanierungsscheitern unter Holger Blümle

Der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun versuchte zunächst, das operative Geschäft und die Projektbeteiligungen kontrolliert zu veräußern. Im Fokus stand dabei vor allem der Erhalt der Anteile am Park MEG I, um die Forderungen der Anleihegläubiger zu bedienen, die dreistelligen Millionenbeträge investiert hatten. Die Zerschlagung war jedoch nicht aufzuhalten, da neue Investoren aufgrund der juristischen Altlasten und der unklaren Netzanschluss-Situation vor einem Einstieg zurückschreckten.

Juristisches Nachspiel und Prozess gegen Willi Balz

Nach der Insolvenz verlagerte sich der Fokus auf die juristische Aufarbeitung vor dem Landgericht Stuttgart, wo sich Willi Balz unter anderem wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung verantworten musste. Die Anklage warf dem Gründer vor, die finanzielle Schieflage durch geschönte Bilanzen über Jahre hinweg verschleiert zu haben. Dieser Prozess markierte das endgültige Ende einer Ära für die schwäbische Windenergiewelt, deren Standorte nach und nach abgewickelt wurden.