Größte Pleiten · Nr. 50

Woolworth Deutschland (2009)

Nach Insolvenz übernahm ein neuer Eigentümer den Namen — die heutige Woolworth ist eine Neugründung mit rasanter Expansion, aber ohne rechtliche Kontinuität zum Vorgänger.

Finanzielle Schieflage im Schatten der Wirtschaftskrise 2009

Im April 2009 musste die Woolworth Deutschland GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Frankfurt am Main Insolvenz anmelden, da das Unternehmen unter massiver Verschuldung und sinkenden Umsätzen litt. Als Insolvenzverwalter wurde der Sanierungsexperte Ottmar Hermann bestellt, der vor der Herausforderung stand, für rund 310 Filialen eine Fortlaufprognose zu erstellen. Die globalen Auswirkungen der Finanzkrise und strategische Fehler im Warensortiment hatten die Liquidität des Traditionswarenhauses vollständig aufgezehrt.

Der radikale Schnitt durch die HH Holding

Nach monatelangen Verhandlungen übernahm die HH Holding des KiK-Gründers Stefan Heinig im Mai 2010 wesentliche Unternehmensteile und die Markenrechte von Woolworth. Diese Übernahme markierte jedoch keine klassische Sanierung, sondern eine rechtliche Zäsur, bei der die alte Gesellschaft abgewickelt und eine neue GmbH als Neugründung etabliert wurde. Von den ursprünglichen Standorten wurden zunächst nur etwa 158 Filialen weitergeführt, während unrentable Häuser sukzessive geschlossen wurden.

Schmerzhafte Einschnitte für Belegschaft und Standorte

Die Insolvenz im Jahr 2009 traf die rund 11.000 Beschäftigten hart, da im Zuge des Verfahrens und der anschließenden Restrukturierung tausende Arbeitsplätze verloren gingen. Besonders betroffen waren große Kaufhäuser in Innenstadtlagen, deren Mietverträge für das neue Discount-Konzept der Käuferseite schlicht zu teuer waren. In Städten wie Frankfurt oder Berlin verschwanden traditionsreiche Filialen, was das Ende der Ära des klassischen Vollsortimenters Woolworth in Deutschland einläutete.

Vom Warenhaus zum modernen Aktions-Discounter

Das heute unter dem Namen Woolworth bekannte Unternehmen konzentriert sich seit dem Neustart 2010 auf Schreibwaren, Haushaltsartikel und Bekleidung im Niedrigpreissegment. Die rechtliche Kontinuität zur 1926 gegründeten deutschen Tochtergesellschaft der amerikanischen F. W. Woolworth Company ist durch die Insolvenz 2009 vollständig erloschen. Heute expandiert das Unternehmen massiv und strebt eine Filialdichte an, die weit über das ursprüngliche Netz der Vorkriegs- oder Wirtschaftswunderzeit hinausgeht.