Der ADAC hatte die Nutzerabstimmung „Gelber Engel“ jahrelang manipuliert. Vorstand und Kommunikationschef traten zurück, umfassende Reformen folgten.
Die Lüge um die Stimmenzahl beim Gelben Engel
Im Januar 2014 erschütterte ein massiver Fälschungsskandal den größten Automobilclub Europas, als Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Auszeichnung „Gelber Engel“ bekannt wurden. Der damalige Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte die Teilnehmerzahlen bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen drastisch nach oben korrigiert, um die Relevanz des Preises künstlich zu steigern. Statt der behaupteten 34.000 Stimmen für den VW Golf hatten tatsächlich nur rund 3.400 Mitglieder abgestimmt.
Rücktritte von Ramstetter und Meyer
Die Welle der Enthüllungen führte innerhalb weniger Wochen zum Sturz der gesamten Führungsriege in München. Nachdem Michael Ramstetter die Manipulationen gestanden hatte, trat auch ADAC-Präsident Peter Meyer im Februar 2014 von seinem Amt zurück, da er das Vertrauen der Basis verloren sah. Eine externe Untersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte belegte in der Folge, dass nicht nur im Jahr 2014, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg Rangfolgen und Zahlen beschönigt worden waren.
Missbrauch von Rettungshubschraubern und Privatflüge
Im Zuge der internen Aufarbeitung kamen weitere Verfehlungen ans Licht, die den Status der Gemeinnützigkeit des Vereins gefährdeten. Es wurde bekannt, dass hochrangige Funktionäre Rettungshubschrauber des ADAC sowie das Club-eigene Flugzeug für private Reisen oder Repräsentationstermine zweckentfremdet hatten. Diese Enthüllungen führten zu einer tiefgreifenden Diskussion über die intransparenten Verflechtungen zwischen dem Verein und seinen kommerziellen Sparten, etwa den Versicherungs- und Reisedienstleistungen.
Strukturreform und Umwandlung zur Aktiengesellschaft
Um den drohenden Entzug der Rechtsfähigkeit zu verhindern und die Gemeinnützigkeit zu retten, leitete der Club unter dem neuen Präsidenten August Markl das Reformprojekt „ADAC 2020“ ein. Die Kernelemente waren die strikte Trennung des ideellen Vereins von den wirtschaftlich orientierten Töchtern, die in der ADAC SE zusammengefasst wurden. Seit 2016 operiert der Verband in einem Drei-Säulen-Modell, das eine klare Abgrenzung der Finanzströme und eine strengere Kontrolle der Vorstände vorsieht.