Manipulation der Zinsreferenzen LIBOR und EURIBOR. Rekord-Strafzahlung; die Bank ist bis heute mit hohen Rechtskosten belastet.
Systematische Verzerrung globaler Zinsbenchmarks
Zwischen den Jahren 2005 und 2011 nahmen Händler der Deutschen Bank massiven Einfluss auf die Meldungen zur Feststellung des LIBOR (London Interbank Offered Rate) und des EURIBOR. Durch die künstliche Meldung falscher Zinssätze sollten die Handelsbücher der Investmentbanking-Sparte begünstigt werden, was die Integrität der wichtigsten Referenzzinssätze weltweit untergrub. Diese Manipulationen betrafen Derivategeschäfte in astronomischer Höhe und wurden intern über Chatprotokolle und E-Mails koordiniert.
Die Rolle von Christian Bittar und globalen Tradern
Im Zentrum des Skandals stand unter anderem der in London ansässige Top-Händler Christian Bittar, der als einer der erfolgreichsten Trader der Bank galt und dessen Abteilung enorme Gewinne durch die Zinswetten generierte. Die Kommunikation zwischen den Zins-Einreichern und den Tradern belegte ein tief verwurzeltes Fehlverhalten, bei dem persönliche Boni über die Markttransparenz gestellt wurden. Neben London waren auch Standorte in Frankfurt, Tokio und New York in die unzulässigen Absprachen verwickelt.
Ermittlungen der Financial Conduct Authority und BaFin
Die Aufdeckung erfolgte durch eine großangelegte koordinierte Untersuchung internationaler Aufsichtsbehörden, angeführt von der britischen FCA, der US-Justiz und der deutschen BaFin. Die Ermittler stellten fest, dass Kontrollmechanismen innerhalb der Deutschen Bank entweder völlig fehlten oder bewusst umgangen wurden, um die Profitabilität des Eigenhandels nicht zu gefährden. Besonders belastend war die Erkenntnis, dass die interne Revision über Jahre hinweg keine wirksamen Maßnahmen gegen die offensichtliche Manipulation ergriff.
Rekordstrafe im Jahr 2015 und juristische Aufarbeitung
Im April 2015 stimmte die Deutsche Bank einer Rekord-Strafzahlung in Höhe von rund 2,5 Milliarden US-Dollar zu, um die Verfahren mit US-amerikanischen und britischen Behörden beizulegen. Als Teil der Vereinbarung musste die Tochtergesellschaft DB Group Services (UK) Limited ein Schuldeingeständnis abgeben. Zusätzlich forderte die BaFin personelle Konsequenzen im Management, was den Druck auf die damalige Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen massiv erhöhte.
Langfristige finanzielle Belastungen und Reputationsverlust
Die Gesamtkosten für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem LIBOR-Skandal stiegen durch Zivilklagen und weitere Vergleiche in den Folgejahren noch deutlich über die ursprüngliche Milliardenstrafe hinaus. Dieser Fall markiert den Beginn einer jahrelangen Phase der Restrukturierung, in der das Institut Milliarden für Altlasten zurückstellen musste und das Vertrauen institutioneller Anleger nachhaltig verlor. Bis heute gilt das Verfahren als einer der teuersten und image-schädigendsten Skandale der deutschen Bankengeschichte.