Eine Kaskade von Verschachtelungen, Sale-and-lease-back-Konstrukten und Personalabbau — die politisch begleiteten Übernahmen von Karstadt und Kaufhof enttäuschten reihenweise Erwartungen.
Verschmelzung zweier Giganten unter Rene Benkos Signa
Nachdem der Investor Nicolas Berggruen das Warenhaus Karstadt im Jahr 2014 für einen symbolischen Euro an die Signa Holding des Österreichers René Benko weiterreichte, folgte 2018 die Fusion mit dem Konkurrenten Galeria Kaufhof. Die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC) verkaufte ihre Anteile an den deutschen Standorten schrittweise bis 2019 an Benko, wodurch dieser zum alleinigen Herrscher über den letzten großen deutschen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) wurde. Diese Konsolidierung wurde von der Politik als Rettungsanker für den Einzelhandel gefeiert, markierte jedoch den Beginn einer massiven Umstrukturierung der Immobilienwerte.
Das System der Sale-and-Lease-Back-Konstruktionen
Zentraler Kern des Skandals war die strategische Trennung von operativ tätigem Warengeschäft und den wertvollen innerstädtischen Immobilien in Form von Sale-and-Lease-Back-Verfahren. Während die Signa-Immobiliensparte die Mieten für die Filialen massiv anhob, gerieten die operativen Kaufhäuser unter den steigenden Fixkosten und ausbleibenden Modernisierungen in eine finanzielle Schieflage. Kritiker warfen Benko vor, die Warenhauskette systematisch auszusaugen, um die Bewertung seiner Immobilien für Bankkredite künstlich aufzublähen.
Staatshilfen und die Insolvenz-Kaskade ab 2020
In den Jahren 2021 und 2022 stützte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung das angeschlagene Unternehmen mit insgesamt 680 Millionen Euro an Steuergeldern. Trotz dieser massiven Finanzspritzen und staatlich moderierten Sanierungsverfahren folgten drei Insolvenzen in nur vier Jahren, die jeweils mit einem erheblichen Personalabbau und der Schließung Dutzender Standorte einhergingen. Der Zusammenbruch der gesamten Signa-Gruppe Ende 2023 offenbarte schließlich das Ausmaß der Überschuldung, die Schätzungen zufolge einen zweistelligen Milliardenbetrag erreicht hatte.
Juristisches Nachspiel und polizeiliche Ermittlungen
Nach der Großinsolvenz im Jahr 2023 rückten die Geschäftspraktiken der Signa-Verantwortlichen in das Visier der Generalstaatsanwaltschaft München und der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Die Ermittler prüfen Vorwürfe der Untreue, des schweren Betrugs und der Geldwäsche im Zusammenhang mit den konzerninternen Geldflüssen und Kreditbeschaffungen. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Bewertungsmethoden der Prestige-Immobilien und die Rolle von René Benko als faktischem Geschäftsführer trotz fehlender offizieller Organstellung.