Skandale · Nr. 11

Krupp-Hoesch-Übernahmeschlacht (1997)

Der versuchte feindliche Übernahmeversuch Kruppen auf Thyssen 1997 wurde zu einer öffentlichen Machtprobe zwischen Deutschland-AG und Belegschaften — mit historischem Fackelmarsch auf Bankenhochhäuser in Frankfurt. Endete in der Fusion zur ThyssenKrupp AG.

Der geheime Coup von Gerhard Cromme und der Deutschen Bank

Im März 1997 erschütterte ein bis dahin in Deutschland unvorstellbarer Vorgang die Industrielandschaft, als der Krupp-Vorstandsvorsitzende Gerhard Cromme eine feindliche Übernahme des deutlich größeren Konkurrenten Thyssen ankündigte. Hinter den Kulissen hatten die Deutsche Bank unter Hilmar Kopper und Goldman Sachs den Angriff mit einer Kreditlinie von rund 15 Milliarden D-Mark vorbereitet. Die Nachricht traf die Düsseldorfer Thyssen-Zentrale völlig unvorbereitet und markierte den aggressiven Einbruch angelsächsischer Finanzmethoden in die damals noch stabile Deutschland-AG.

Der Fackelmarsch der 30.000 Stahlarbeiter nach Frankfurt

Die Pläne lösten einen beispiellosen Widerstand in der Belegschaft aus, der in einem historischen Protestzug nach Frankfurt am Main gipfelte. Rund 30.000 Stahlarbeiter belagerten die Zwillingstürme der Deutschen Bank, da sie das Kreditinstitut als eigentlichen Drahtzieher hinter dem Zerschlagungsszenario identifizierten. Der enorme politische Druck, angeführt von Johannes Rau und dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, zwang die Akteure schließlich an den Verhandlungstisch.

Berthold Beitz und das Ende der Feindseligkeiten

Innerhalb von nur acht Tagen scheiterte der Versuch einer feindlichen Übernahme an der geschlossenen Front aus Politik, Gewerkschaften und dem Thyssen-Management unter Dieter Vogel. Berthold Beitz, das Gesicht der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, musste einlenken, um den Ruf des Hauses Krupp nicht dauerhaft zu beschädigen. Statt einer feindlichen Attacke wurde ein moderierter Fusionsprozess eingeleitet, der zunächst die Flachstahlbereiche beider Konzerne zusammenführte.

Die Geburtsstunde der ThyssenKrupp AG 1999

Obwohl der Überfall formal scheiterte, fungierte er als Katalysator für die vollständige Fusion, die im Jahr 1999 zur Gründung der ThyssenKrupp AG mit Sitz in Duisburg und Essen vollzogen wurde. Die Kosten für die gescheiterte Schlacht und die anschließende Restrukturierung beliefen sich auf dreistellige Millionenbeträge, wobei vor allem die Glaubwürdigkeit der Hausbanken schwer erschüttert war. Dieser wirtschaftliche Wendepunkt beendete die Ära der engen Verflechtung von Aufsichtsräten und Bankenvertretern in ihrer traditionellen Form.