Skandale · Nr. 31

Nürburgring-Affäre

Politisch gesteuertes Freizeitprojekt am Ring, das das Land Rheinland-Pfalz hunderte Millionen kostete und in der Insolvenz endete.

Nürburgring 2009 und das Projekt der Größenwahnsinnigen

Im Bestreben, die traditionsreiche Rennstrecke in der Eifel in einen ganzjährigen Freizeitpark zu verwandeln, initiierte die rheinland-pfälzische Landesregierung unter Kurt Beck das Projekt Nürburgring 2009. Ohne tragfähiges privates Kapital flossen hunderte Millionen Euro an Steuergeldern in Einkaufszentren, Hotels und die defekte Achterbahn ring°racer. Die Vision eines 'Eifel-Disneyland' ignorierte Marktanalysen und setzte stattdessen auf eine staatlich finanzierte Prestigearchitektur.

Ingo Wolf und die gescheiterte Privatfinanzierung

Finanzminister Ingolf Deubel versuchte monatelang, die hohen Baukosten durch undurchsichtige private Investoren zu decken, was sich als fatale Fehlkalkulation erwies. Ein prominenter Akteur dieser Phase war der Geschäftsmann Kai Richter, dessen Firmengeflecht tief in die Finanzierungsstruktur verstrickt war. Als die versprochenen Millionen ausblieben und die EU-Kommission wegen illegalen Beihilfen ermittelte, kollabierte das gesamte Finanzkonstrukt der staatlichen Besitzgesellschaft.

Insolvenz und der Verkauf an Capito

Im Jahr 2012 musste die Nürburgring GmbH Insolvenz anmelden, da die Schuldenlast auf rund 500 Millionen Euro angewachsen war. Der anschließende Verkaufsprozess endete mit dem Zuschlag für den Automobilzulieferer Capricorn und dessen Chef Robertino Wild, der jedoch bald finanzielle Schwierigkeiten bekam. Schließlich übernahm der russische Milliardär Viktor Charitonin über seine Holding den Großteil der Anteile an der legendären Rennstrecke.

Juristische Aufarbeitung und das Urteil gegen Deubel

Der Skandal mündete in einem jahrelangen Prozess vor dem Landgericht Koblenz gegen den ehemaligen Finanzminister Ingolf Deubel. Im Jahr 2014 wurde er wegen Untreue und uneidlicher falscher Aussage zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt, wobei der Bundesgerichtshof Teile des Urteils später bestätigte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Deubel riskante Finanzgeschäfte am Kabinett vorbei geschleust und das Land bewusst finanziellen Wagnissen ausgesetzt hatte.