Baukonzern erst spektakulär von Kanzler Schröder gerettet, dann 2002 doch Pleite; Bilanzfälschungen kamen ans Licht.
Der Milliarden-Abgrund im Frankfurter Bauimperium
Im November 1999 schockierte der Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann AG die Fachwelt mit der Nachricht über existenzbedrohende Verluste in Höhe von 2,4 Milliarden D-Mark. Ursprung des Desasters waren jahrelange Bilanzfälschungen und massiv unterschätzte Risiken bei Großprojekten im In- und Ausland. Der Vorstandsvorsitzende Lothar Mayer musste im Zuge der Aufdeckung zurücktreten, da die Liquidität des Unternehmens faktisch nicht mehr gegeben war.
Schröders medienwirksames Eingreifen in Frankfurt
Bundeskanzler Gerhard Schröder stilisierte die Rettung des Traditionsunternehmens zur nationalen Aufgabe und versprach auf einer Belegschaftsversammlung staatliche Bürgschaften in Höhe von 150 Millionen D-Mark sowie Kredite der KfW. Durch diesen politischen Druck lenkten die beteiligten Banken, allen voran die Deutsche Bank unter Rolf Breuer, ein und schnürten ein Rettungspaket von über 4,3 Milliarden D-Mark. Die kurzzeitige Stabilisierung verzögerte den Zusammenbruch jedoch nur um wenige Jahre, ohne die strukturellen Probleme zu lösen.
Die finale Insolvenz im Jahr 2002
Trotz des massiven Kapitalzuflusses und des Abverkaufs von Firmenteilen meldete die Philipp Holzmann AG im März 2002 endgültig Insolvenz an. Ausschlaggebend war das Scheitern von Verhandlungen über neue Kreditlinien, nachdem das operative Geschäft weiterhin zweistellige Millionenverluste pro Monat einfuhr. Der damalige Vorstandschef Konrad Hinrichs musste eingestehen, dass die Sanierung gescheitert war, was den Verlust von weltweit rund 25.000 Arbeitsplätzen einleitete.
Juristische Aufarbeitung und Urteile gegen die Verantwortlichen
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main leitete umfangreiche Ermittlungen wegen Bilanzfälschung und Untreue gegen ehemalige Führungskräfte ein. Im Jahr 2005 verurteilte das Landgericht Frankfurt mehrere Ex-Manager zu Freiheitsstrafen auf Bewährung und Geldstrafen, da sie Verluste in den Bilanzen von 1997 und 1998 vorsätzlich verschleiert hatten. Die Schadenssumme für die Aktionäre und Gläubiger bewegte sich nach Abschluss der Liquidation im Bereich mehrerer Milliarden Euro.