Porsche versuchte, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen — was in einer der spektakulärsten Short-Squeezes der Börsengeschichte endete. Verfahren gegen frühere Vorstände wurden eingestellt.
Der geheime Zukauf von VW-Stammaktien durch Wiedeking und Härter
Im Jahr 2008 versuchte der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche unter der Leitung von Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter, den weitaus größeren Volkswagen-Konzern zu kontrollieren. Porsche sicherte sich über komplexe Bar-Optionsgeschäfte heimlich Zugriff auf VW-Anteile, während das Unternehmen öffentlich dementierte, eine Beteiligung von 75 Prozent anzustreben. Diese Taktik führte dazu, dass kaum noch VW-Stammaktien frei am Markt verfügbar waren.
Der historische Short-Squeeze und die Kursexplosion im DAX
Am 26. Oktober 2008 offenbarte Porsche überraschend den Zugriff auf 74,1 Prozent der VW-Stimmrechte, was Shortseller, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, zur panischen Eindeckung zwang. Die VW-Aktie schoss innerhalb weniger Tage von rund 200 Euro auf über 1000 Euro in die Höhe, wodurch Volkswagen kurzzeitig das wertvollste Unternehmen der Welt war. Leerverkäufer verloren durch diesen Short-Squeeze Schätzungen zufolge hohe einstellige Milliardenbeträge.
Die dramatische Wende und die Übernahme durch Volkswagen
Infolge der globalen Finanzkrise und der massiven Verschuldung von etwa 10 Milliarden Euro brach das Kartenhaus der Porsche Holding im Jahr 2009 zusammen. Die Machtverhältnisse kehrten sich um, als Porsche die Liquidität ausging und der VW-Konzern unter Ferdinand Piëch zur Rettung eilt. Statt dass Porsche VW schluckte, wurde der Sportwagenhersteller schrittweise in den Volkswagen-Konzern integriert und zur zehnten Marke der Wolfsburger.
Juristische Aufarbeitung wegen Marktmanipulation
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhob Anklage gegen Wiedeking und Härter wegen des Verdachts der marktgestützten Marktmanipulation. Den Managern wurde vorgeworfen, die Anleger über die wahren Absichten der Übernahmepläne getäuscht zu haben. Das Landgericht Stuttgart sprach die ehemaligen Vorstände im Jahr 2016 jedoch frei, da ein vorsätzliches Fehlverhalten nicht mit der notwendigen Sicherheit nachgewiesen werden konnte.
Zivilrechtliche Klagen und der Abschluss der Verfahren
Neben den Strafverfahren sahen sich Porsche und die Holding SE langjährigen Schadenersatzklagen von Hedgefonds gegenüber, die Forderungen in Milliardenhöhe geltend machten. Der Bundesgerichtshof bestätigte im Jahr 2016 letztinstanzlich die Abweisung großer Klagekomplexe, womit die juristische Aufarbeitung der versuchten Übernahme weitgehend endete. Trotz der eingestellten Verfahren bleibt der Fall als einer der größten Beinahe-Umbrüche der deutschen Industriegeschichte in Erinnerung.