Skandale · Nr. 14

Steinhoff / Poco (2017 ff.)

Ein Bilanzskandal beim südafrikanischen Möbelkonzern, der die deutschen Töchter Poco und Conforama-Deutschland traf. Aktienwertverluste im zweistelligen Milliardenbereich.

Vom Möbel-Giganten zum Bilanzdebakel

Der Steinhoff-Konzern, einst die globale Nummer zwei hinter Ikea, stürzte im Dezember 2017 in eine existenzbedrohende Krise, als Unregelmäßigkeiten in der Rechnungslegung bekannt wurden. Markus Jooste, der langjährige CEO, trat unmittelbar zurück, während der Börsenwert des Unternehmens innerhalb weniger Tage um über 10 Milliarden Euro einbrach. In Deutschland standen vor allem die Tochtergesellschaften Poco und Conforama im Fokus der Verunsicherung, da der Konzern seine Wurzeln in Westerstede hatte.

Künstliche Aufblähung der Vermögenswerte

Die Ermittlungen offenbarten ein komplexes Geflecht aus Scheingeschäften und Off-Balance-Sheet-Transaktionen, mit denen Gewinne und Vermögenswerte über Jahre hinweg künstlich erhöht wurden. Unter der Leitung von Markus Jooste und mit Beteiligung weiterer Führungskräfte wurden Umsätze vorgetäuscht, um den rasanten Expansionskurs an der Frankfurter Börse zu rechtfertigen. Insbesondere wurden Buchwerte von Tochtergesellschaften und Immobilien durch Transaktionen mit nahestehenden Firmen manipuliert.

Trennung von Poco und juristische Aufarbeitung

Um den drohenden Kollaps abzuwenden und Gläubiger zu bedienen, musste Steinhoff im Jahr 2018 seine 50-prozentige Beteiligung am Einrichtungspionier Poco an die XXXLutz-Gruppe verkaufen. Während der Konzern um das Überleben kämpfte, leiteten die Staatsanwaltschaft Oldenburg und südafrikanische Behörden umfangreiche Strafverfahren wegen Bilanzfälschung und Marktmanipulation ein. Der Fall gilt bis heute als einer der größten Wirtschaftsskandale der deutschen und südafrikanischen Geschichte.

Haftstrafen und das Ende von Markus Jooste

Im Jahr 2023 verurteilte das Landgericht Oldenburg einen ehemaligen Manager des Konzerns zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zur Bilanzfälschung. Markus Jooste entzog sich einem Prozess in Deutschland vorerst, verstarb jedoch im Frühjahr 2024 im Alter von 63 Jahren in Südafrika durch Suizid, kurz nachdem dort eine Rekordstrafe gegen ihn verhängt worden war. Der strafrechtliche Komplex hinterlässt geschädigte Aktionäre, die durch Vergleiche nur einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Investitionen zurückerhielten.