Skandale · Nr. 21

Zwickau / Sachsenring & Trabant-Aufarbeitung

Die Aufarbeitung der Treuhand-Entscheidungen zu ostdeutschen Kombinaten belastet die Politik bis heute — mit späten Enthüllungen zu Verkaufspreisen und Insider-Konstellationen.

Das bittere Ende des Trabant 601 und der 1.1-Generation

Nach der Wende stand das Automobilwerk Zwickau (AWZ) vor dem Ruin, als der veraltete Trabant gegen westdeutsche Konkurrenz keine Chance mehr hatte. Obwohl die Treuhandanstalt unter Birgit Breuel das Werk in die Sachsenring Automobiltechnik GmbH umwandelte, scheiterten die Sanierungsversuche kläglich. Die Produktion des Hoffnungsträgers 1.1 mit Volkswagen-Lizenzmotor wurde bereits 1991 eingestellt, was den Weg für eine umstrittene Privatisierung ebnete.

Die Ära der Brüder Riesenwatter und fiktive Millionengewinne

Im Jahr 1993 übernahmen die Brüder Ernst Wilhelm und Ulf Riesenwatter das Erbe des Trabant-Herstellers und führten das Unternehmen an die Börse. Die Staatsanwaltschaft deckte später auf, dass die Bilanzen durch Scheingeschäfte und Luftbuchungen massiv geschönt wurden, um den Kurs der Aktie künstlich in die Höhe zu treiben. Während das Management wirtschaftliche Stabilität vorgaukelte, floss Kapital in dunkle Kanäle, was Zwickau zum Schauplatz eines der größten ostdeutschen Wirtschaftsverbrechen machte.

Der Zusammenbruch und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Chemnitz

Die Fassade der Sachsenring Automobiltechnik AG stürzte im Mai 2002 mit dem Insolvenzantrag endgültig ein, wodurch Tausende Kleinanleger ihr Erspartes verloren. Die Ermittler stellten fest, dass Kredite in Millionenhöhe zweckentfremdet wurden, während die Produktion faktisch vor dem Aus stand. Dieser Skandal offenbarte die mangelnde Kontrolle der Treuhand-Nachfolgeorganisationen über die Verbleibe der ehemaligen Kombinatsteile.

Haftstrafen und juristische Aufarbeitung vor dem Landgericht

Im Jahr 2006 verurteilte das Landgericht Chemnitz die Hauptakteure wegen Untreue, Bilanzfälschung und Insiderhandels zu mehrjährigen Haftstrafen ohne Bewährung. Ernst Wilhelm Riesenwatter erhielt eine Strafe von drei Jahren und sechs Monaten, während sein Bruder Ulf zu drei Jahren verurteilt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass durch die Manipulationen ein Schaden im zweistelligen Millionenbereich entstanden war.