Startups · Nr. 02

BioNTech SE

Ugur Sahin und Özlem Türeci — türkischstämmiges Wissenschaftler-Ehepaar aus Mainz — wurden mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (Vertriebspartnerschaft Pfizer) über Nacht Milliardäre und Nobelpreis-Anwärter. Der Kursverlauf ist einer der spektakulärsten der deutschen Börsengeschichte: 1,5 Mrd. USD Bewertung beim IPO 2019, in der Spitze über 75 Mrd. USD Ende 2021.

Von der Mainzer Goldgrube zur globalen Impfstoff-Macht

Die BioNTech SE wurde im Jahr 2008 in Mainz von dem Mediziner-Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci sowie dem Immunologen Christoph Huber ins Leben gerufen. Mit der wissenschaftlichen Vision, das Immunsystem durch mRNA-Technologie gezielt gegen Krebszellen zu trainieren, siedelte sich das Unternehmen medienwirksam an der Adresse An der Goldgrube an. Die finanzielle Basis bildete bereits in der Frühphase ein hunderte Millionen Euro schweres Investment der Strüngmann-Zwillinge, die zuvor mit dem Verkauf ihres Pharmaunternehmens Hexal zu Wohlstand gekommen waren.

Der Comirnaty-Durchbruch und die Pfizer-Allianz

Die globale Zäsur markierte das Jahr 2020, als BioNTech innerhalb kürzester Zeit das Projekt Lightspeed startete, um eine Antwort auf die COVID-19-Pandemie zu finden. In Kooperation mit dem US-Pharma-Riesen Pfizer gelang die Entwicklung des Impfstoffs BNT162b2, der unter dem Namen Comirnaty als erstes mRNA-Präparat weltweit eine Zulassung erhielt. Dieser Erfolg transformierte das Unternehmen von einem forschungsorientierten Biotech-Startup in einen hochprofitablen Pharmakonzern mit Milliardenumsätzen.

Kapitalmarkthistorie und astronomische Kursgewinne

Seit dem Börsengang an der Nasdaq im Oktober 2019 zu einer Bewertung von rund 1,5 Milliarden USD erlebte die Aktie eine in Deutschland beispiellose Rallye. Während der Marktwert Ende 2021 in der Spitze auf über 75 Milliarden USD kletterte, stabilisierte sich das Unternehmen nach dem Pandemie-Boom als einer der wertvollsten Player im Bereich der Immuntherapie. Diese Kapitalstärke nutzt das Team um Sahin nun, um die ursprüngliche Mission der personalisierten Krebsmedizin massiv voranzutreiben.

Zukunftsvision jenseits der Pandemie-Umsätze

Aktuell reinvestiert BioNTech seine massiven Cash-Reserven in die Errichtung globaler Produktionsstätten, darunter modulare BioNTainer für den afrikanischen Markt in Ruanda. Der Fokus der klinischen Pipeline liegt auf individualisierten Krebstherapien und Impfstoffen gegen Malaria sowie Tuberkulose. Mainz bleibt dabei das strategische Herzstück eines expandierenden Netzwerks, das die moderne Biotechnologie durch programmierbare Medizin nachhaltig verändern möchte.