Startups · Nr. 05

CureVac

Zwei Jahrzehnte mRNA-Grundlagenforschung — und dann trotzdem im COVID-Impfstoffrennen von BioNTech überholt. Die geringe Wirksamkeit des eigenen Kandidaten CVnCoV führte 2021 zum Aus des Zulassungsantrags und einem Kurssturz um über 60 %. Ankeraktionär ist SAP-Gründer Dietmar Hopp über die Beteiligungsgesellschaft dievini.

Ingmar Hoerrs Pionierarbeit in Tübingen

Die Geschichte von CureVac begann im Jahr 2000, als der Biologe Ingmar Hoerr gemeinsam mit Florian von der Mülbe und Steve Pascolo das Unternehmen als Spin-off der Universität Tübingen gründete. Auslöser war Hoerrs Entdeckung Ende der 1990er-Jahre, dass instabile mRNA durch gezielte Modifikationen als therapeutischer Informationsträger direkt in den Körper eingeschleust werden kann. Damit legte das Team die wissenschaftliche Basis für eine völlig neue Arzneimittelklasse, lange bevor die Technologie weltweit mediale Aufmerksamkeit erlangte.

Dietmar Hopps Engagement und der Nasdaq-Börsengang

Finanziell wird CureVac maßgeblich durch den SAP-Mitgründer Dietmar Hopp geprägt, der über seine Beteiligungsgesellschaft dievini Hopp BioTech holding bereits früh dreistellige Millionenbeträge investierte. Im Sommer 2020 wagte das Unternehmen den Sprung an die US-Technologiebörse Nasdaq, wobei rund 213 Millionen US-Dollar bei der Erstnotiz eingesammelt wurden. Zeitgleich beteiligte sich die Bundesrepublik Deutschland über die KfW mit 300 Millionen Euro an dem Tübinger Biotech-Pionier, um die heimische Impfstoffentwicklung abzusichern.

Das CVnCoV-Debakel und der Rückschlag im Pandemie-Wettlauf

Trotz der jahrzehntelangen Erfahrung unterlag CureVac im Rennen um den ersten Corona-Impfstoff den Konkurrenten BioNTech und Moderna, da der eigene Kandidat CVnCoV in der entscheidenden Phase-2b/3-Studie lediglich eine Wirksamkeit von 48 Prozent zeigte. Diese enttäuschenden Daten führten im Juni 2021 zu einem massiven Kurssturz an der Börse und der anschließenden Rücknahme des Zulassungsantrags bei der EMA. Der Fokus verschob sich daraufhin unter dem neuen CEO Alexander Zehnder auf die Entwicklung der zweiten Generation in Kooperation mit dem britischen Pharmariesen GSK.

Onkologie und strategische Neuausrichtung in Baden-Württemberg

Nach dem Rückzug aus dem ersten COVID-Segment konzentriert sich CureVac verstärkt auf die Krebsforschung und die Optimierung der mRNA-Plattform für Grippe-Impfstoffe. Am Hauptstandort Tübingen wurden zudem umfangreiche Kapazitäten für die eigene Produktion aufgebaut, während das Unternehmen durch einen Stellenabbau die laufenden Kosten senkte. Mit einer Marktkapitalisierung, die nach dem Hype inzwischen wieder auf einem deutlich niedrigeren Niveau liegt, kämpft CureVac um den Beweis, dass die Technologie auch außerhalb der Pandemie kommerziell skalierbar ist.