Lieferdienst-Konzern mit Marken wie foodpanda und Woowa. DAX-Mitglied 2020; Wachstumsstrategie inzwischen deutlich abgekühlt.
Von der Berliner Idee zum globalen Plattform-Giganten
Die Geburtsstunde von Delivery Hero liegt im Jahr 2011, als der schwedische Serienunternehmer Niklas Östberg gemeinsam mit Lukasz Gadowski und weiteren Partnern das Fundament für einen der weltweit größten Food-Netzwerke legte. Vom Hauptsitz in Berlin-Mitte aus steuerte das Management eine aggressive Expansionsstrategie, die darauf abzielte, durch schnelle Zukäufe in internationalen Märkten die Marktführerschaft zu besetzen. Das Geschäftsmodell basiert dabei auf einer digitalen Infrastruktur, die lokale Restaurants und Kuriere mit Endkunden verknüpft und pro Vermittlung eine Provision sowie Liefergebühren generiert.
Kapitalschlachten und der Börsengang 2017
Um das enorme Tempo der Globalisierung durchzuhalten, sicherte sich Delivery Hero bereits frühzeitig massive Finanzierungsrunden unter anderem durch Rocket Internet und Großinvestoren wie Naspers. Vor dem Börsengang im Juni 2017 flossen Beträge im hohen dreistelligen Millionenbereich in das Unternehmen, um Konkurrenten zu übernehmen oder aus dem Markt zu drängen. Zum Handelsstart an der Frankfurter Börse wurde das Startup mit rund 4,4 Milliarden Euro bewertet, was den Weg für den späteren, kurzzeitigen Aufstieg in den DAX im Jahr 2020 ebnete.
Asiatische Dominanz durch die Woowa-Übernahme
Ein entscheidender Meilenstein in der Konzerngeschichte war die milliardenschwere Übernahme des südkoreanischen Marktführers Woowa Brothers, die Ende 2019 angekündigt und später vollzogen wurde. Durch diesen Zukauf, der mit rund 4 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, verschob sich der Schwerpunkt des Geschäfts massiv in den asiatischen Raum. Während Marken wie foodpanda in Südostasien und Talabat im Nahen Osten etabliert sind, zog sich der Konzern aus dem hart umkämpften deutschen Endkundengeschäft weitestgehend zurück.
Strategiewechsel zwischen Quick Commerce und Profitabilität
Nach Jahren des reinen Umsatzwachstums und hohen Verlusten steht für das Berliner Unternehmen heute die Profitabilität im Vordergrund. Delivery Hero investiert verstärkt in den sogenannten Quick Commerce, bei dem Lebensmittel über eigene Warenlager, die Dmarts, innerhalb weniger Minuten geliefert werden. Die aktuelle Marktbewertung, die nach dem Hype während der Pandemie deutlich korrigierte, schwankt im mittleren einstelligen Milliardenbereich und spiegelt den gestiegenen Kostendruck in der Branche wider.