Startups · Nr. 08

Flink

Die 10-Minuten-Lieferung schien 2021 die nächste große Idee — dutzende sogenannter "Dark Stores" in jeder Großstadt, gefahren von Radkurieren. Gorillas wurde bereits 2022 vom türkischen Getir übernommen und in Deutschland faktisch eingestellt. Flink hält sich als letzter deutscher Anbieter mit Kapital von Rewe und Doordash.

Blitzstart von Mühlke, Dames und Bullach in Berlin

Im Jahr 2020 gründeten Oliver Merkel, Julian Dames und Christoph Cordes das Startup Flink in Berlin, um den Lebensmittelmarkt durch extreme Liefergeschwindigkeit zu revolutionieren. Während Konkurrenten wie Gorillas auf aggressives Marketing setzten, fokussierte sich das Flink-Management frühzeitig auf eine effizientere Logistiksteuerung aus der Hauptstadt heraus. Das Geschäftsmodell basiert auf sogenannten Dark Stores, kleinen Warenlagern in Innenstadtlagen, die ausschließlich für den Online-Versand optimiert sind.

Die strategische Allianz mit Rewe und Doordash

Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für Flink ergab sich durch die frühzeitige Kooperation mit dem Handelsriesen Rewe, der nicht nur als Investor auftritt, sondern auch die Warenversorgung sicherstellt. Durch diese Partnerschaft konnte Flink auf ein breiteres Sortiment und etablierte Lieferketten zugreifen, was die Marge im Vergleich zu rein eigenständigen Playern stabilisierte. Später stieg zudem der US-Lieferdienst Doordash ein, um am deutschen Quick-Commerce-Markt zu partizipieren.

Milliardenbewertung und Konsolidierungswelle

In mehreren Finanzierungsrunden sammelte Flink Beträge im hohen dreistelligen Millionenbereich ein, wobei die Bewertung des Unternehmens zeitweise über die Marke von 2 Milliarden Euro kletterte. Während Wettbewerber wie Getir oder Gorillas nach der Zinswende fusionierten oder sich aus Deutschland zurückzogen, blieb Flink als letzter großer eigenständiger Akteur national präsent. Das Unternehmen musste jedoch durch Standortschließungen und Entlassungen reagieren, um den Weg in Richtung Profitabilität zu ebnen.

Marktführerschaft im deutschen Quick-Commerce

Nach der Übernahme von Gorillas durch Getir und deren anschließendem Rückzug aus dem deutschen Markt festigte Flink seine Position als Marktführer in Städten wie München, Hamburg und Berlin. Das Sortiment umfasst heute rund 2.500 Artikel des täglichen Bedarfs, die innerhalb weniger Minuten per E-Bike zugestellt werden. Aktuell konzentriert sich das Unternehmen darauf, seine Logistikkosten pro Bestellung zu senken, um die Abhängigkeit von weiterem Wagniskapital zu reduzieren.