Startups · Nr. 38

HelloFresh

Kochbox-Weltmarktführer. Kurzzeitig DAX-Mitglied; Nachfrage nach der Corona-Sonderkonjunktur normalisiert.

Dominik Richter und der Berliner Startschuss

Die Geschichte von HelloFresh begann im Jahr 2011 in Berlin, als die Gründer Dominik Richter, Thomas Griesel und Jessica Nilsson mit der Vision starteten, den Einkauf von Lebensmitteln zu revolutionieren. Unterstützt vom Startup-Inkubator Rocket Internet verschickten sie die ersten handverpackten Tüten direkt aus der eigenen Küche an Testkunden. Das Ziel war von Beginn an die vollständige vertikale Integration der Lieferkette vom Produzenten bis an die Haustür der Abonnenten.

Skalierung durch massive Finanzierungsrunden

Um die internationale Expansion voranzutreiben, sicherte sich das Unternehmen in mehreren Finanzierungsrunden beträchtliches Kapital von Investoren wie Insight Partners und Baillie Gifford. Bis zum Jahr 2015 summierte sich das eingeworbene Kapital auf über 350 Millionen Euro, was HelloFresh frühzeitig eine Bewertung im Milliardenbereich einbrachte. Diese aggressive Wachstumsstrategie ermöglichte den schnellen Markteintritt in den USA, der heute der wichtigste Einzelmarkt des Unternehmens ist.

Vom Parkett in Frankfurt in den DAX

Im November 2017 vollzog HelloFresh den Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse zu einem Ausgabepreis von 10,25 Euro pro Aktie. Der Börsengang spülte rund 318 Millionen Euro in die Kassen, um die Logistikzentren weltweit zu automatisieren und die Marktführerschaft auszubauen. Ein Meilenstein war der Aufstieg in den Leitindex DAX im September 2021, als das Unternehmen auf dem Höhepunkt der Pandemie von einem massiven Nachfrageschub profitierte.

Normalisierung nach dem Pandemie-Boom

Nach dem Ausscheiden aus dem DAX steht der Weltmarktführer heute vor der Herausforderung, die Profitabilität trotz sinkender Neukundenahlen im Kerngeschäft der Kochboxen zu halten. Die Strategie verschiebt sich zusehends in Richtung des Bereichs 'Ready-to-Eat' durch die Marke Factor sowie die Ausweitung des Add-on-Portfolios auf dem HelloFresh Market. Aktuell wird das Unternehmen an der Börse mit rund 1,5 bis 2 Milliarden Euro bewertet, was eine deutliche Korrektur zu den Höchstständen der Corona-Ära darstellt.