Zwei deutsche Möbel-Onlinehändler, beide geprägt von Rocket Internet. Home24 wurde 2023 von der türkischen Dogus-Gruppe im Verbund mit XXXLutz übernommen und von der Börse genommen — der Preis lag deutlich unter dem IPO-Kurs von 2018. Westwing kämpft weiter als kleinerer Premium-Anbieter mit dem Fokus auf kuratiertes Design.
Die Rocket-Internet-Wurzeln von Berlin bis München
Die Jahre 2009 und 2011 markierten den Aufbruch der Samwer-Brüder in den Einrichtungsmarkt, als Home24 (ursprünglich Furniture123) in Berlin und Westwing in München starteten. Während Philipp Maguet und Marc Appelhoff Home24 zu einem Vollsortimenter mit Eigenmarken wie Kotta ausbauten, setzte Delia Lachance bei Westwing auf ein Shoppable-Magazine-Konzept. Beide Unternehmen profitierten initial von der aggressiven Skalierungsstrategie durch Rocket Internet, die auf schnelle Marktanteile durch massives Marketingkapital setzte.
Home24: Von der Börseneuphorie zur Übernahme durch XXXLutz
Der Börsengang von Home24 im Jahr 2018 zu einem Ausgabepreis von 28,50 Euro sollte den endgültigen Durchbruch markieren, endete jedoch in einer signifikanten Kurserosion. Im Jahr 2023 vollzog die österreichische XXXLutz-Gruppe gemeinsam mit der türkischen Dogus-Gruppe die Komplettübernahme für etwa 7,50 Euro je Aktie. Durch das folgende Delisting verschwand der einstige Hoffnungsträger vom öffentlichen Kapitalmarkt und wurde in die stationären Strukturen des Welser Möbelriesen integriert.
Westwing und die Nische des kuratierten Designs
Im Gegensatz zum breiten Massenmarkt von Home24 konzentriert sich Westwing unter CEO Andreas Hoerning auf ein Premium-Segment mit hohen Margen und loyalen Club-Mitgliedern. Das Münchener Unternehmen bleibt börsennotiert, kämpft jedoch mit einer Marktkapitalisierung, die weit unter den Höchstständen der Pandemie-Jahre liegt. Das Geschäftsmodell basiert heute verstärkt auf der Eigenmarke Westwing Collection, die über 40 Prozent des Umsatzes generiert und die Abhängigkeit von Fremdfirmen reduziert.
Finanzhistorie und der harte Weg zur Profitabilität
In zahlreichen Finanzierungsrunden flossen dreistellige Millionenbeträge von Investoren wie Kinnevik und Summit Partners in beide Startups, um die Logistikzentren in Ludwigsfelde und anderen Standorten aufzubauen. Während Home24 durch die Übernahme eine Bewertung von rund 250 Millionen Euro fixierte, schwankt der Unternehmenswert von Westwing im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Beide Firmen mussten nach dem Corona-Boom weitreichende Kostensenkungsprogramme implementieren, um operativ schwarze Zahlen zu schreiben.