Vertical Farming in Supermärkten. Nach starkem Wachstum 2022/23 europäische Standorte abgebaut; Fokusverlagerung auf Nahost.
Die Vision von Guy Galonska, Erez Galonska und Osnat Michaeli
Das im Jahr 2013 in Berlin gegründete Startup Infarm trat mit dem Ziel an, die landwirtschaftliche Produktion durch Vertical Farming direkt in die urbanen Zentren zu verlegen. Die Gründer Guy Galonska, Erez Galonska und Osnat Michaeli entwickelten modulare Zuchtfarmen, die Kräuter und Salate mittels Hydrokultur direkt in Supermarktregalen oder Logistikzentren wachsen lassen. Durch diesen Ansatz sollten Transportwege eliminiert und der Einsatz von Pestiziden sowie Wasser drastisch reduziert werden.
Aufstieg zum Unicorn und massive Kapitalzuflüsse
Infarm avancierte schnell zum Liebling internationaler Investoren und sammelte in mehreren Finanzierungsrunden insgesamt über 600 Millionen US-Dollar ein. Zu den namhaften Geldgebern gehörten unter anderem der SoftBank Vision Fund 2 sowie Hanaco Venture Capital. Im Rahmen einer Series-D-Finanzierungsrunde im Jahr 2021 erreichte das Unternehmen eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar und festigte damit seinen Status als erstes europäisches Vertical-Farming-Unicorn.
Marktrückzug aus Europa und logistische Zäsur
Trotz der hohen Bewertung und globaler Expansionspläne zwangen massiv gestiegene Energiekosten und ein schwieriges Marktumfeld das Unternehmen ab Ende 2022 zu einem radikalen Kurswechsel. Infarm baute einen Großteil seiner europäischen Aktivitäten ab und stellte den Betrieb in wichtigen Märkten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich weitgehend ein. Hunderte Arbeitsplätze fielen diesen Restrukturierungsmaßnahmen zum Opfer, während das Unternehmen seinen Fokus von dezentralen Einheiten auf großflächige Anbauzentren verschob.
Strategische Neuausrichtung in den Mittleren Osten
Das Unternehmen verlagerte seinen operativen Schwerpunkt und den juristischen Sitz zunehmend in Richtung London und insbesondere in den Mittleren Osten. In Katar eröffnete Infarm ein großes Forschungs- und Rechenzentrum, um von den dortigen Subventionen und dem spezifischen Bedarf an lokaler Lebensmittelproduktion zu profitieren. Diese geografische Flucht nach vorn markiert den Versuch, das kapitalintensive Geschäftsmodell unter günstigeren Rahmenbedingungen zu stabilisieren.