eVTOL-Startup mit spektakulärem Konzept, aber nie in Serie gegangen; die Insolvenz Ende 2024 war ein Schlag für die deutsche Deep-Tech-Szene.
Visionärer Ursprung in Weßling
Die Geschichte von Lilium begann im Jahr 2015, als Daniel Wiegand gemeinsam mit Sebastian Born, Matthias Meiner und Patrick Nathen das Unternehmen als Spin-off der Technischen Universität München gründete. Vom oberbayerischen Weßling aus verfolgte das Team das ehrgeizige Ziel, mit dem Lilium Jet ein vollelektrisches Senkrechtstarter-Flugzeug (eVTOL) zu etablieren, das durch 30 schwenkbare Elektro-Mantelpropeller in den Tragflächen besticht. Dieses technologische Alleinstellungsmerkmal sollte den regionalen Luftverkehr revolutionieren und Pendelstrecken zwischen Metropolen signifikant verkürzen.
Kapitalrausch und Börsengang via SPAC
Über die Jahre zog Lilium namhafte Investoren wie Tencent, Atomico und Earlybird an, die über eine Milliarde US-Dollar in die Entwicklung des Jet-Prototypen pumpten. Ein entscheidender Wendepunkt war der Börsengang an der New Yorker Nasdaq im Jahr 2021 durch die Fusion mit der Zweckgesellschaft Qell Acquisition Corp, was die Bewertung zeitweise in Milliardenhöhe trieb. Trotz der massiven Kapitalzuflüsse verzögerte sich die angestrebte Zertifizierung durch die EASA und FAA immer wieder, während die monatlichen Burn-Raten für Forschung und Personal immens blieben.
Die gescheiterte Staatsgarantie
Im Herbst 2024 spitzte sich die finanzielle Lage dramatisch zu, als die Verhandlungen über eine überlebenswichtige Staatsbürgschaft des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro scheiterten. Da der Haushaltsausschuss des Bundestages die Unterstützung verweigerte, entfiel auch die geplante Co-Finanzierung durch den Freistaat Bayern, was das Ende der Liquiditätsplanung bedeutete. Ohne diese staatliche Absicherung war der Weg für private Investoren versperrt, da das Vertrauen in die kurzfristige Marktreife der aufwendigen Technologie endgültig erschüttert war.
Insolvenz und das Ende einer Deep-Tech-Hoffnung
Ende Oktober 2024 mussten die operativen Tochtergesellschaften Lilium GmbH und Lilium eAircraft GmbH beim Amtsgericht Weilheim Insolvenz anmelden. Der Schritt markiert eine Zäsur für den Deep-Tech-Standort Deutschland, da eines der am besten finanzierten Startups des Landes vor dem operativen Aus steht. Während das Management nun nach neuen Käufern oder Verwertern für die Patente sucht, bleibt der Traum von der Serienproduktion des Elektro-Jets am Boden zurück.