Startups · Nr. 47

Raisin (WeltSparen)

Marktplatz für europäische Festgeld- und Tagesgeld-Angebote; 2021 Fusion mit Deposit Solutions zu Raisin DS.

Die Berliner Zins-Pioniere um Tamaz Georgadze

Raisin wurde im Jahr 2012 von Tamaz Georgadze, Frank Freund und Michael Stephan in Berlin gegründet, um die Zinsunterschiede innerhalb des europäischen Binnenmarktes für Privatkunden nutzbar zu machen. Unter der bekannten Endkundenmarke WeltSparen etablierte das Fintech ein Modell, bei dem Anleger über ein einziges Konto Zugang zu diversen Sparprodukten europäischer Partnerbanken erhalten. Dieser zentrale Ansatz löste das Problem der komplexen Identitätsprüfung bei grenzüberschreitenden Kontoeröffnungen.

Strategische Fusion zur Raisin DS Gruppe

Ein entscheidender Wendepunkt in der Unternehmenshistorie markiert das Jahr 2021 mit dem Zusammenschluss der beiden Berliner Konkurrenten Raisin und Deposit Solutions. Durch diese Fusion der ehemaligen Konkurrenten entstand mit Raisin DS ein europäischer Champion im Bereich der Einlagenvermittlung, der sowohl das B2C-Geschäft als auch die B2B-Infrastruktur für Banken kontrolliert. Das Unternehmen operiert heute global und hat seine Plattformen für den US-amerikanischen Markt sowie verschiedene europäische Länder lokalisiert.

Kapitalspritzen und der Status als Unicorn

Das Startup zog namhafte internationale Investoren wie Goldman Sachs, PayPal Ventures und Index Ventures an, die in mehreren Finanzierungsrunden signifikante Summen investierten. Besonders hervorzuheben ist die Finanzierungsrunde von Anfang 2023, bei der Raisin rund 60 Millionen Euro einsammelte und damit seine Bewertung im Milliardenbereich festigte. Diese Kapitalzuflüsse ermöglichten nicht nur die Expansion in neue Märkte, sondern auch die Erweiterung des Portfolios um ETFs und private Altersvorsorgeprodukte.

Geschäftsmodell zwischen Provision und Plattform-Technologie

Raisin verdient sein Geld primär durch Provisionen, die von den Partnerbanken für die Vermittlung von Einlagen gezahlt werden, während der Service für Anleger meist kostenfrei bleibt. Neben dem klassischen Zinsportal stellt das Unternehmen seine Infrastruktur als White-Label-Lösung für Großbanken wie die Deutsche Bank zur Verfügung. Durch die eigene MHB-Bank, die heute als Raisin Bank AG firmiert, verfügt das Fintech zudem über eine notwendige Vollbanklizenz für komplexe Abwicklungsprozesse.