Startups · Nr. 22

Sennder

Digitale Speditionsplattform für den europäischen Straßengüterverkehr — die App vermittelt Ladung zwischen Verladern und rund 20.000 kleinen Speditionen. Konsolidierte 2021 mit Uber Freight Europe zur europäischen Nummer 1 der digitalen Frachtbörsen.

Logistik-Revolution aus Berlin durch Carius, Uecker und Habbel

Das im Jahr 2015 von David Nothacker, Julius Köhler und Nicolaus Schefenacker begründete Startup sennder hat seinen Hauptsitz in Berlin-Mitte. Unter der operativen Leitung von CEO David Nothacker fokussiert sich das Unternehmen darauf, die historisch fragmentierte Lkw-Logistik in Europa durch eine volldigitale Schnittstelle effizienter zu gestalten. Das Geschäftsmodell basiert auf einer cloudbasierten Plattform, die Verlader direkt mit Transportunternehmen koppelt und so Leerfahrten minimiert.

Vernetzung von 40.000 Lkw über die sennOS-Plattform

Kern des technologischen Angebots ist die eigens entwickelte Software sennOS, die den gesamten Prozess von der Buchung bis zur Abrechnung automatisiert. Die Plattform gewährt insbesondere kleinen und mittleren Speditionen Zugang zu Großkunden wie Scania oder Coca-Cola, die zuvor aufgrund administrativer Hürden oft unerreichbar waren. Durch Echtzeit-GPS-Tracking und digitale Dokumentenverwaltung schafft sennder Transparenz in einer Branche, die lange durch Fax und Telefonate geprägt war.

Europäische Marktführerschaft durch Uber-Freight-Übernahme

Ein entscheidender Wendepunkt markierte das Jahr 2020, als sennder das europäische Geschäft von Uber Freight übernahm und im Gegenzug der US-Konzern Uber Minderheitsaktionär bei den Berlinern wurde. Dieser strategische Zukauf katapultierte das Unternehmen an die Spitze der digitalen Speditionen auf dem Kontinent und festigte die Präsenz in Schlüsselmärkten wie Polen und den Niederlanden. Durch die Konsolidierung stieg die Anzahl der angeschlossenen Kleinstspeditionen auf rund 20.000 Partnerbetriebe an.

Unicorn-Status und expansive Finanzierungsrunden

Im Januar 2021 stieg sennder durch eine Series-D-Finanzierungsrunde in Höhe von 160 Millionen US-Dollar offiziell zum Unicorn auf. Namhafte Investoren wie HV Capital, Lakestar und Accel trieben die Unternehmensbewertung damit auf über eine Milliarde US-Dollar. Mit dem frischen Kapital weitete sennder seine Präsenz durch die Gründung von Joint Ventures, unter anderem mit der italienischen Post (Poste Italiane), massiv auf den südeuropäischen Markt aus.