Solar-Elektroauto Sion; Serienstart nie erreicht, Fokus zuletzt auf Solar-Komponenten für Nutzfahrzeuge.
Visionärer Start in einer Münchner Garage
Im Jahr 2016 legten Laurin Hahn, Jona Christians und Navina Pernsteiner den Grundstein für Sono Motors mit dem Ziel, das erste solarbetriebene Elektroauto für die breite Masse zu produzieren. Vom Hauptsitz in München aus entwickelte das junge Team den Sion, dessen Karosserie fast vollständig mit Solarzellen bestückt war, um Reichweite durch Sonnenenergie zu gewinnen. Die Resonanz war anfangs gewaltig, was sich in zehntausenden Vorbestellungen durch Privatpersonen niederschlug.
Finanzierungskämpfe und Community-Funding
Um die kapitalintensive Serienfertigung zu stemmen, sammelte Sono Motors über die Jahre hunderte Millionen Euro ein, wobei besonders das Crowdfunding eine zentrale Rolle spielte. Ende 2019 startete die wohl markanteste Kampagne, die binnen 50 Tagen rund 53 Millionen Euro an neuen Zahlungszusagen generierte, um den Fortbestand des Projekts kurzfristig zu sichern. Trotz des Börsengangs an der Nasdaq im November 2021 blieb die finanzielle Decke für den geplanten Produktionsstart beim Auftragsfertiger Valmet Automotive in Finnland stets zu dünn.
Vom Sion-Aus zur Solar-Integration
Im Februar 2023 zog die Geschäftsführung die Reißleine und stellte das Sion-Programm endgültig ein, nachdem eine letzte rettende Investitionsrunde gescheitert war. Das Geschäftsmodell wurde radikal auf den B2B-Sektor umgestellt, um die patentierte Solartechnologie in Busse, Kühlauflieger und LKW von Drittanbietern zu integrieren. Dieser Strategiewechsel sollte das Unternehmen als Zulieferer für Schwerlasttransporte und den ÖPNV retten, konnte den hohen Kapitalbedarf aber nicht mehr rechtzeitig decken.
Insolvenz und das Ende des Fahrzeugherstellers
Die dramatische finanzielle Lage führte im Mai 2023 zur Anmeldung der Insolvenz beim Amtsgericht München, da Verhandlungen mit potenziellen Investoren für die neue Solarkomponenten-Sparte scheiterten. Bis zum Ende des Jahres 2023 wurde ein Großteil der Belegschaft entlassen und das ursprüngliche Versprechen eines bezahlbaren Solarautos begraben. Übrig gebliebene Vermögenswerte und Patente wurden im Rahmen des Sanierungsprozesses verwertet, womit eine der ambitioniertesten deutschen Mobilitätsgeschichten vorerst endete.