Startups · Nr. 52

Trade Republic

Neobroker; einer der größten deutschen Fintechs, seit 2023 mit Bafin-Vollbanklizenz.

Fintech-Vision aus Berlin: Die Gründung durch Hecker, Pötzsch und Will

Die Erfolgsgeschichte von Trade Republic begann im Jahr 2015 in Berlin, als Christian Hecker, Thomas Pötzsch und Marco Cancellieri das Unternehmen mit dem Ziel gründeten, den Wertpapierhandel radikal zu vereinfachen. Das Trio entwickelte eine mobile Plattform, die den Zugang zu den Kapitalmärkten über eine intuitive App ermöglichte und damit insbesondere eine junge Generation von Privatanlegern ansprach. Der operative Start als provisionsfreier Broker erfolgte schließlich Anfang 2019 nach Erhalt der entsprechenden Lizenzen.

Vom Neobroker zur Vollbank: Geschäftsmodell und Lizenz-Upgrade

Das ursprüngliche Geschäftsmodell basierte auf dem gebührenfreien Handel mit Aktien und ETFs gegen eine Pauschale von nur einem Euro pro Trade. Ein entscheidender Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war der Dezember 2023, als die Europäische Zentralbank Trade Republic eine Vollbanklizenz erteilte. Seither kann das Fintech nicht nur Wertpapiere und Krypto-Assets verwalten, sondern auch klassische Bankdienstleistungen wie ein verzinstes Tagesgeldkonto und eine eigene Bezahlkarte mit Saveback-Funktion anbieten.

Milliardenschwere Finanzierungsrunden und internationale Spitzenbewertung

In mehreren Finanzierungsrunden flossen Trade Republic enorme Summen zu, unter anderem von namhaften Investoren wie Sequoia, TCV und Thrive Capital. Besonders herausragend war die Serie-C-Runde im Jahr 2021, bei der über 900 Millionen US-Dollar investiert wurden, was die Bewertung zeitweise auf rund fünf Milliarden Euro hob. Im Sommer 2022 sicherte sich das Startup in einer weiteren Finanzierungsrunde zusätzliche 250 Millionen Euro, um die Expansion in Europa und den Ausbau der Bankenplattform voranzutreiben.

Etablierung als europäisches Schwergewicht im Finanzsektor

Heute betreut Trade Republic Millionen von Kunden in zahlreichen europäischen Märkten und verwaltet ein Kundenvermögen von mehreren Milliarden Euro. Durch die Kombination aus niedrigen Kosten, Zinsangeboten auf Cash-Bestände und einer modernen technologischen Infrastruktur hat sich das Unternehmen als ernsthafte Konkurrenz zu etablierten Filial- und Direktbanken positioniert. Der Hauptsitz im Berliner Wedding bleibt dabei das Zentrum für die technische Weiterentwicklung des europaweiten Angebots.