eVTOL-Konkurrent von Lilium; ebenfalls Ende 2024 in schwerer Krise, teilweise Auffanglösung.
Pioniergeist aus Bruchsal: Die Anfänge unter Zosel und Wolf
Die Geschichte von Volocopter begann im Jahr 2011, als Stephan Wolf und Alexander Zosel in Bruchsal den Grundstein für die elektrische Luftfahrt in Deutschland legten. Mit dem Prototyp VC1 bewiesen die Gründer erstmals, dass ein rein elektrisch betriebener Multicopter einen Menschen sicher in die Luft tragen kann. Dieses technologische Fundament führte zur Entwicklung des VoloCity, einem zweisitzigen Lufttaxi, das speziell für den urbanen Personentransport konzipiert wurde.
VoloCity und VoloRegion: Das Portfolio der vertikalen Mobilität
Das Herzstück des Geschäftsmodells bildet der VoloCity, der mit seinen 18 Rotoren und der markanten Ringstruktur für Kurzstrecken innerhalb von Metropolen entwickelt wurde. Ergänzend dazu sollte der VoloRegion größere Distanzen überbrücken, während die Lastendrohne VoloDrone den Logistikmarkt adressierte. Volocopter verfolgte dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der neben den Fluggeräten auch die Infrastruktur in Form von Start- und Landeplätzen, den sogenannten VoloPorts, umfasste.
Milliardenbewertung und prominente Investorenrunden
Über die Jahre sammelte das Unternehmen gewaltige Summen ein, wobei namhafte Investoren wie Geely, Mercedes-Benz, BlackRock und DB Schenker einstiegen. In der Series-E-Finanzierungsrunde im Jahr 2022 wurde die Bewertung auf rund 1,7 Milliarden Euro taxiert, was Volocopter zeitweise den Status eines Unicorns sicherte. Insgesamt flossen bis zum Krisenjahr 2024 geschätzt über 500 bis 600 Millionen Euro Risikokapital in die technologische Entwicklung und Zertifizierungsprozesse.
Der geplatzte Olympia-Traum und finanzielle Turbulenzen
Das ehrgeizige Ziel, während der Olympischen Spiele 2024 in Paris den kommerziellen Flugbetrieb aufzunehmen, konnte aufgrund fehlender finaler Zertifizierungen durch die EASA nicht termingerecht umgesetzt werden. Dieser operative Rückschlag verschärfte die ohnehin angespannte Liquiditätssituation des Unternehmens massiv. Verhandlungen über staatliche Bürgschaften des Bundes und des Landes Baden-Württemberg scheiterten im Frühjahr 2024, was die finanzielle Stabilität endgültig untergrub.
Zuspitzung der Krise und Suche nach einer Auffanglösung
Im Herbst 2024 spitzte sich die Lage analog zum Konkurrenten Lilium dramatisch zu, woraufhin Volocopter eine Sanierung unter neuer Führung einleiten musste. Während der operative Kern in Bruchsal zunächst erhalten blieb, zwangen die ausbleibenden Finanzierungsrunden das Management zur Suche nach strategischen Investoren oder Teilverkäufen. Die Insolvenzgefahr konnte schließlich nur durch eine partielle Auffanglösung abgewendet werden, bei der bestehende Shareholder oder neue Partner das Überleben sicherten.