Die Automotive-Sparte trennt sich 2025 als eigenständiges Unternehmen ab — der Rest-Continental wird faktisch ein Reifen- und Industriekonzern. Der Familienstamm Schaeffler hält über die Schaeffler-Holding rund 46 % der Anteile.
Transformation vom Zulieferer zum fokussierten Reifenriesen in Hannover
Die 1871 gegründete Continental AG mit Hauptsitz in Hannover steht vor der weitreichendsten Zäsur ihrer jüngeren Konzerngeschichte. Mit der für 2024 vorbereiteten und 2025 geplanten Abspaltung der Automotive-Sparte wird das Unternehmen faktisch zweigeteilt, wobei die profitablen Bereiche Reifen (Tires) und Kunststofftechnik (ContiTech) den Kern der verbleibenden Gesellschaft bilden. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Nikolai Setzer reagiert die Gruppe damit auf den enormen Margendruck im Elektronik- und Softwaregeschäft der Automobilindustrie.
Milliardengeschäft zwischen Erstausrüstung und Ersatzmarkt
Im Geschäftsjahr 2024 peilt Continental einen Konzernumsatz von rund 40 Milliarden Euro an, der maßgeblich durch die Markenstärke von Reifenmodellen wie dem SportContact oder WinterContact getragen wird. Während die Automotive-Sparte zuletzt rund 20 Milliarden Euro zum Umsatz beitrug, erwirtschaftet das Reifensegment mit einer operativen Marge im zweistelligen Bereich den Großteil des Konzernergebnisses. Die globale Präsenz umfasst dabei über 500 Standorte, wobei Deutschland und der europäische Markt weiterhin die stärksten Absatzregionen darstellen.
Dominanz der Holding und industrielle Vernetzung
Die Aktionärsstruktur wird maßgeblich durch die Familie Schaeffler geprägt, die über ihre Holding etwa 46 Prozent der Anteile kontrolliert und damit eine strategische Klammer zum ebenfalls in Herzogenaurach ansässigen Wälzlager-Spezialisten Schaeffler bildet. Rund 200.000 Mitarbeiter weltweit fertigen neben Premiumreifen auch komplexe Oberflächenlösungen und Schlauchsysteme für die Industrie unter dem Dach von ContiTech. Diese Diversifizierung jenseits des reinen Pkw-Marktes soll den Konzern unabhängiger von den zyklischen Schwankungen der globalen Fahrzeugproduktion machen.
Technologische Neuausrichtung nach der Ära der klassischen Hydraulik
Nach dem milliardenschweren Zukauf von Siemens VDO im Jahr 2007 und der daraus resultierenden Verschuldung fokussiert sich Continental nun verstärkt auf Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien wie Löwenzahn-Kautschuk (Taraxagum). Die geplante Eigenständigkeit der Automotive-Sparte beendet die Ära des integrierten Gemischtwarenladens und ermöglicht dem verbleibenden Konzern gezielte Investitionen in die Spezialchemie und Materialwissenschaft. Hannover bleibt dabei als administratives und Forschungs-Zentrum der Dreh- und Angelpunkt für die globale Steuerung der verbleibenden Geschäftsfelder.