Miele leidet unter dem Nachfrageeinbruch bei langlebigen Konsumgütern und dem starken Preisdruck aus Asien. 2024 wurden rund 2.700 Stellen gestrichen; Teile der Waschmaschinenproduktion verlagern nach Polen.
Traditionsmarke zwischen Gütersloher Wurzeln und globalem Kostendruck
Die Miele & Cie. KG, die seit ihrer Gründung im Jahr 1899 durch Carl Miele und Reinhard Zinkann ihren Stammsitz in Gütersloh hält, durchläuft derzeit eine der schwierigsten Phasen der jüngeren Konzerngeschichte. Trotz eines Rekordumsatzes von 5,43 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2022 sank das Volumen für 2024 auf rund 5 Milliarden Euro, was die Geschäftsleitung um den geschäftsführenden Gesellschafter Markus Miele zu drastischen Sparmaßnahmen zwingt. Die Strategie fokussiert sich nun auf eine Straffung der betrieblichen Strukturen, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber aggressivem Preisdruck aus Fernost zu sichern.
Produktionsverlagerung nach Ksawerów und Stellenabbau in Ostwestfalen
Der Konzern reagiert auf den Nachfrageeinbruch im Segment der Haushaltsgeräte mit dem Abbau von weltweit rund 2.700 Stellen, wovon insbesondere die Standorte in Deutschland betroffen sind. Ein zentraler Bestandteil des Sparprogramms ist die Verlagerung der kompletten Montage von Haushaltswaschmaschinen in das neue Werk im polnischen Ksawerów. In Gütersloh verbleiben vorerst die Fertigung von Komponenten sowie die Produktion von Premium-Geräten und Gewerbemaschinen.
Fokus auf Premium-Küche und Smart-Home-Technologien
In den Segmenten Kochen, Backen und Kühlen setzt Miele weiterhin auf technologische Preistreiberschaft und investiert in die Vernetzung über die Miele-App. Das Portfolio umfasst dabei hochwertige Einbaugeräte wie den Dialoggarer oder Induktionskochfelder mit integriertem Dunstabzug, die vor allem in Europa und Nordamerika hohe Deckungsbeiträge erzielen. Diese Premium-Positionierung soll den Absatz stabilisieren, während preisgünstigere Wettbewerber Marktanteile im Einstiegsbereich gewinnen.
Globale Marktpräsenz und Vertrieb über den Fachhandel
Miele erzielt über 70 Prozent seiner Erlöse außerhalb Deutschlands, wobei Nordamerika und China als wichtigste Wachstumsregionen der kommenden Dekade gelten. Der Vertrieb stützt sich traditionell auf ein engmaschiges Netz autorisierter Fachhändler und eigene Miele Experience Center in Metropolen wie Berlin, London oder Shanghai. Trotz der aktuellen Krise bleibt das Unternehmen in Familienbesitz und verzichtet auf externe Kapitalgeber, um die langfristige Markenidentität 'Immer Besser' zu wahren.