Die 2019 begonnene Zerschlagung geht weiter: 20 % der Stahlsparte hat 2024 der tschechische Investor Daniel Křetínský übernommen, weitere Anteile sollen folgen. Der Verkauf der Aufzugssparte Elevator 2020 für 17 Mrd. € war der größte deutsche PE-Deal.
Industriegigant im Wandel der Essener Konzernzentrale
Die ThyssenKrupp AG mit Sitz im Essener Krupp-Gürtel steuert einen der komplexesten Umbauprozesse der deutschen Industriegeschichte. Unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Miguel López fokussiert sich das Unternehmen auf die Transformation zum spezialisierten Technologiekonzern, nachdem der Umsatz im Geschäftsjahr 2024 bei rund 35 Milliarden Euro lag. Mit etwa 98.000 Mitarbeitern weltweit bleibt die Gruppe trotz der Abspaltungen ein Schwergewicht der globalen Wirtschaft.
Neuordnung der Stahlsparte durch tschechisches Investment
Ein zentraler Wendepunkt der jüngeren Konzerngeschichte markiert der Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský, der 2024 über seine Holding EPCG zunächst 20 Prozent der kriselnden Stahltochter ThyssenKrupp Steel Europe übernahm. Ziel dieser strategischen Partnerschaft ist die langfristige Dekarbonisierung der Produktion sowie eine rechtliche Verselbstständigung des Bereichs. Weitere 30 Prozent des Kernsegments stehen zur perspektivischen Übernahme an den Investor bereit.
Segmentvielfalt von Marine Systems bis Automotive Technology
Jenseits des Stahls agiert ThyssenKrupp in hochspezialisierten Segmenten wie Marine Systems, dem weltweit führenden Anbieter für konventionelle U-Boote der HDW-Klasse. Die Sparte Automotive Technology beliefert nahezu alle großen Automobilhersteller mit Lenksystemen und Dämpferkomponenten, während Material Services als global vernetzter Werkstoffhändler fungiert. Diese Diversifizierung soll die Abhängigkeit von den volatilen Weltmarktpreisen für Rohstahl verringern.
Erbe der Fusion von 1999 und finanzielle Neuausrichtung
Seit der Fusion der Industrieriesen Thyssen und Krupp im Jahr 1999 hat sich das Portfolio radikal verändert, insbesondere durch den historischen Verkauf der Aufzugssparte Elevator im Jahr 2020 für über 17 Milliarden Euro. Dieser Rekorddeal verschaffte dem Konzern die nötige Liquidität, um die hohen Pensionslasten zu bedienen und Investitionen in grüne Technologien wie die Wasserstoff-Elektrolyse unter der Marke nucera voranzutreiben. Trotz dieser Erlöse kämpft das Unternehmen weiterhin mit konjunkturellem Gegenwind in den Kernregionen Europa und China.